Aktueller Weltmeister testet Gen4-Fahrzeug Rennleistung 450 kW, im Attack Mode 600 kW „Großer Schritt in die richtige Richtung für die Formel E“ Wien, Österreich – Nur noch sieben Rennen der ABB FIA Formel E Gen3-Ära stehen aus, bevor später in diesem Jahr die neuen und verbesserten Gen4-Fahrzeuge ins Rampenlicht rücken. Im Vorfeld der Saison 13 konnte Oliver Rowland vom Nissan Formel E Team kürzlich erstmals Erfahrungen mit dem Gen4-Boliden sammeln. Das neue Fahrzeug wird im Vergleich zum aktuellen Gen3 einen deutlichen Leistungssprung bieten. Die Rennleistung steigt von 300 kW auf 450 kW, während die Fahrer im Attack Mode sogar beeindruckende 600 kW zur Verfügung haben – gegenüber derzeit 350 kW. Der aktive Allradantrieb sorgt für mehr Grip und ermöglicht höhere Kurvengeschwindigkeiten. „Die Leistung des Gen4-Autos ist wirklich beeindruckend“, so der Weltmeister der Saison 11. „Ein großer Teil dieser zusätzlichen Leistung kommt von der Vorderachse, was ziemlich einzigartig ist und woran wir Fahrer uns erst gewöhnen müssen. Die Performance ist ein deutlicher Schritt nach vorne im Vergleich zum Gen3.“ „Ehrlich gesagt ist es wirklich beeindruckend. Der hohe Abtrieb sorgt für deutlich mehr Grip als wir es gewohnt sind, und es gibt viele neue technische Möglichkeiten – mit Differenzial, Allradantrieb und mehr Leistung an der Vorderachse. Wir haben fast die doppelte Leistung, sodass die Beschleunigung unglaublich ist und alles viel schneller passiert. Auch das Chassis wurde verbessert, was für uns Fahrer ein großer Vorteil ist, da das Gen3-Auto ziemlich unbequem ist.“ Sich an neue Fahrzeuge anzupassen gehört für Rennfahrer zum Berufsalltag. Da das letzte große Update in der Formel E mit dem Wechsel auf Gen3 zur Saison 2022/23 eingeführt wurde, könnte die Umstellung auf Gen4 etwas Zeit in Anspruch nehmen. Trotzdem glaubt Rowland, dass ihm die Veränderung entgegenkommen wird. „Während des Tests habe ich mich immer besser an das Auto gewöhnt und schnell mein Tempo gefunden. Die Servolenkung ist die größte Umstellung – ich habe sie in meiner Karriere nicht oft genutzt. Ich musste lernen, das Limit des Autos über die Lenkung zu spüren und es hinsichtlich Performance, Leistung und Fahrstil optimal auszunutzen. „Die Leistung und der Abtrieb sind weitere wichtige Unterschiede. Die Höchstgeschwindigkeit ist höher, ebenso die Kurvengeschwindigkeiten. Viel hängt davon ab, wie wir das Auto technisch abstimmen, aber ich musste auf jeden Fall etwas anders fahren. Ehrlich gesagt fühlte es sich aber ziemlich natürlich an, das Maximum herauszuholen.“ „Das Gen3-Auto hat mir beim Bremsen persönlich nie wirklich gelegen, daher ist GEN4 ein positiver Schritt. Ich denke, dass ich das Auto im Qualifying wieder ähnlich fahren kann wie früher im Gen2, was mir entgegenkommt.“ Auch das Rennformat der Formel E hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt, insbesondere durch das sogenannte „Peloton-Racing“, das für spannende und unvorhersehbare E-Prix sorgt. Mit den leistungsstärkeren Gen4-Fahrzeugen könnte sich das Bild jedoch verändern. Rowland betont, dass dies noch ungewiss ist. „Die Art des Rennens hängt stark vom Energiemanagement ab. Wenn die Formel E an den klassischen Energiespar- und Attack-Mode-Rennen festhält, bleibt es spannend und unvorhersehbar – ein wesentlicher Grund, warum die Fans die Serie lieben. Viel wird von den Feinheiten des Reglements abhängen. Die höhere Geschwindigkeit könnte es eher zu klassischem Einsitzer-Rennsport mit weniger Überholmanövern machen, aber ich glaube nicht, dass das für die Show ideal wäre. „Es gibt noch viele Unbekannte. Ich bin noch keinem anderen Auto gefolgt, um zu sehen, wie sich das auswirkt. Die Reifen sind jedoch robust, daher sollte es nicht zu viel Verschleiß geben. Einige Faktoren müssen in den ersten Gen4-Rennen vermutlich angepasst werden, um die richtige Balance zu finden und weiterhin spannende Rennen zu gewährleisten. „Es ist ein großer Schritt in die richtige Richtung für die Formel E“, ergänzt Rowland. „Von außen wird es sehr beeindruckend aussehen, und alle Fahrer freuen sich darauf. Ich denke, es wird der Serie noch mehr Glaubwürdigkeit verleihen und auch von Fahrern aus anderen Kategorien mehr Respekt bringen. Beim Vergleich der Rundenzeiten werden wir sicher einen großen Fortschritt sehen.“ Die Entwicklung des Gen4-Fahrzeugs wird bis zu seinem ersten offiziellen Einsatz beim Vorsaisontest im November weiter fortgesetzt. Für den amtierenden Champion liegt der Fokus nun wieder auf der aktuellen Saison und dem nächsten E-Prix, der am 20. Juni in Sanya, China, stattfinden wird.